Die Bunte Moschee von Tetovo, auch Šarena Džamija genannt, ist besonders wegen ihrer ungewöhnlich reichen Malerei berühmt. Ein Vorgängerbau entstand bereits im 15. Jahrhundert. Das Aussehen, das wir heute vor allem wahrnehmen, geht jedoch auf einen großen Umbau von 1833 zurück. Damals ließ Abdurrahman Pascha die Moschee erneuern und beauftragte dafür geschickte Handwerker aus der Region Debar.
Es fällt sofort auf, dass fast keine freie Wandfläche übrig bleibt. Überall befinden sich Pflanzenranken, Blumen, Ornamente, Schrift und kleine Bilder von Gebäuden und Landschaften. Besonders auffällig sind die runden Medaillons mit arabischer Kalligrafie. Schrift ist in der islamischen Kunst sehr wichtig, weil religiöse Texte und Namen dadurch zugleich Inhalt und Schmuck werden.
Ungewöhnlich sind die vielen Landschafts- und Architekturmalereien. In Moscheen dominieren normalerweise geometrische Muster, Pflanzenornamente und Schrift. In Tetovo finden sich zusätzlich Ansichten von Städten und Bauwerken; sogar eine Darstellung von Mekka gehört zur Ausstattung. Gerade diese Mischung macht die Moschee zu etwas Besonderem.
Die Dekoration erzählt auch viel über das Osmanische Reich im frühen 19. Jahrhundert. In dieser Zeit waren die Kunststile nicht mehr so streng wie in der klassischen osmanischen Epoche. Europäische Einflüsse, besonders Barock und Rokoko, hatten längst Eingang in die osmanische Kunst gefunden. Typisch dafür sind geschwungene Formen, üppiger Schmuck und eine starke Freude an Farbe und Details. Diese europäischen Elemente wurden aber nicht einfach kopiert, sondern mit traditionellen osmanischen und lokalen Balkanmotiven verbunden.
Das sieht man auf dem Foto sehr schön: Manche gemalten Säulen, Rahmen und Architekturformen wirken fast wie echte Bauteile. Daneben stehen Blumen, Arabesken und Kalligrafie. Die Moschee wirkt dadurch gleichzeitig wie ein Gebetsraum, ein gemalter Garten und ein Bilderbuch der damaligen Welt.
Auch technisch ist sie ungewöhnlich: Statt der für viele berühmte osmanische Moscheen typischen Keramikfliesen wurden hier große Flächen direkt bemalt. Eine lokale Überlieferung erzählt sogar, dass Eiweiß zur Herstellung beziehungsweise Haltbarmachung der Farben verwendet wurde. Diese Geschichte wird häufig erzählt, ist aber eher als Tradition denn als sicher belegte technische Angabe zu verstehen.
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